Aus der Boxengasse aufs Podium
Der FIM Harley-Davidson Bagger World Cup garantiert hochklassigen Rennsport
Von Jeremy Pick und Alan Dykes
Fotos von Polina Krasnova
Der FIM Harley-Davidson Bagger World Cup hat 2026 sein Debüt gefeiert und die Spannung der Bagger-Rennen in den USA und ganz Europa im Rahmen von MotoGP-Rennen einem internationalen Publikum eröffnet. Entwickelt von Harley-Davidson Factory Racing in Zusammenarbeit mit MotoGP und Dorna Sports, umfasst der Cup sechs Läufe als Teil des MotoGP-Rennkalenders.
Die Teams setzen speziell präparierte H-D® Road Glide® Bikes ein, die vom Harley-Davidson Factory Race Team entwickelt worden sind, mehr als 200 PS leisten und Geschwindigkeiten von über 300 km/h erreichen. Sie versprechen eine beeindruckende Demonstration erstklassiger V-Twin Performance und technischer Leistungsfähigkeit.
The Enthusiast® hat das australische Team Joe Rascal Racing zum Mugello Circuit in Italien begleitet, um einen Blick hinter die Kulissen des zweiten Laufs um den Bagger World Cup zu werfen. Eric Granado und Archie McDonald, zwei Fahrer des Teams, haben sowohl im ersten als auch im zweiten Rennen Podestplätze belegt. Damit eroberte Archie nach seinem ersten und dritten Platz bei den Rennen auf dem Circuit of the Americas (COTA) und vor dem dritten Lauf in Assen die Führung in der Cup-Wertung vor seinem Team-Kollege Eric an zweiter Position.
“Joe Rascal Racing ist es gewohnt, um den Sieg fahren, wie wir im ersten Lauf auf dem COTA gezeigt haben”, sagt Rascal Chef James Tonna, Eigentümer von drei Harley-Davidson Händlervertretungen in Australien, die seit 2025 unter der Marke Joe Rascal firmieren. “Dies sind echte Rennmaschinen – schnell, aggressiv, und mit einem unglaublichen Sound, wenn sie die Gerade hinunterjagen. Viele Fahrer der Klassen Moto3, Moto2 und MotoGP sind in Texas in die Boxengasse gelaufen, nur um herauszufinden, was zum Teufel das für ein Sound war.”
“Die Harley Ingenieure sind phänomenal”, fügt er hinzu. “Es gibt Gerüchte, dass diese Motorräder von externen Firmen auf die Räder gestellt worden sind, aber das ist faktisch falsch. Die Motoren und Fahrgestelle sind bei Harley-Davidson in Milwaukee gebaut worden. Harley hat diese Motorräder ganz allein konstruiert. Wir verwenden halt ein paar andere Teile als in der Serie – genau so, wie es jedes andere Rennteam auch macht – zum Beispiel von Brembo, STM, Bonamici und Öhlins.”
Teammanager Luis Borras ergänzt: “Dies ist eine neue Serie, an der wir teilnehmen, deshalb haben wir bei Joe Rascal Racing auch ein von Grund auf neues Team dafür aufgebaut. Nach dem herausragenden Erfolg im ersten Lauf konzentrieren wir uns darauf, herauszufinden, was wir besser machen können, was wir lernen können und welche Verbesserungen wir vornehmen können, damit
wir mit jedem Rennen schneller werden und die Rennen noch spannender.”
Meet the Team
Wir haben uns mit dem Team getroffen, um mehr darüber herauszufinden, wie die Leute bei Joe Rascal Racing so ticken. Es ging uns um alle – von den Team-Gründern über die Fahrer bis zu den Spezialisten, die hinter den Kulissen arbeiten und sicherstellen, dass das ganze Team sein Bestes gibt. Wir stellen Euch ein paar der wichtigsten Team-Mitglieder vor…
James Tonna
Mitbegründer und „Chief Rascal“
Der australische Unternehmer mit dem erfolgreichen Harley-Davidson Dealership Franchise und der verrückten Idee, in den Rennsport einzusteigen.
Archie McDonald
Fahrer
Ein aufstrebender Star der Rennstrecke, der für seinen mutigen Fahrstil bereits mit dem Spitznamen „Mad Dog“ geehrt wurde.
Eric Granado
Fahrer
Ein erfahrener Racer und Gewinner der FIM CEV Moto2 Europameisterschaft 2017, der sich nun dem Bagger-Rennsport widmet.
Nacho Artagaveytia
Teamtechniker
Er sorgt mit penibler Vorbereitung und gründlichen Kontrollen dafür, dass das Team keine unnötigen Risiken eingeht und die Harleys in perfektem Zustand sind, damit alle ihr Bestes geben können.
Lidia Ceruzuela
Crew-Chefin
Sie hat alles unter Kontrolle – ihre Analysen und ihr Feedback lenken über die Team-Intercoms die Strategie des Teams, um die Erfolgschancen zu optimieren.
Luis Borras
Team-Manager
Zugleich Crew-Chief für Archie. Louis hat das große Ganze in Bezug auf Team- und Zeitmanagement im Blick und sorgt dafür, dass jeder weiß, was er zu tun hat.
Wichtig zu wissen: Das Team entstand aus der Übernahme von drei australischen Harley-Davidson Vertretungen durch den Unternehmer und Motorradfan James Tonna sowie Mitbegründer Barry Fitzpatrick. Sie hatten den Wunsch, das Rennerbe von H-D auf der Weltbühne unter Beweis zu stellen und dabei eine ikonische neue Motorradmarke zu schaffen.
Ein Tag beim Rennen
Wir haben einen Tag mit dem Team von Joe Rascal Racing in Mugello verbracht. Unten kann man sich das Team in Action anschauen und erfahren, was hinter den Kulissen auf der Rennstrecke passiert.

Jedes Motorrad und jeder Fahrer hat sein eigenes Techniker-Team. Nach der Ankunft mit einem Truck wird jede Rennmaschine überprüft und entsprechend den Präferenzen des Fahrers, den aktuellsten Testergebnissen, der Analyse des aktuellen Streckenzustands und den Wettervorhersagen neu eingestellt. Die Motorräder werden für das Training und die Qualifikation am Freitag vorbereitet, und die Telemetrie wird eingerichtet und getestet

Das Team, das in der Regel am Vorabend bis in die Nacht gearbeitet hat, kommt normalerweise jeden Tag morgens um 7:30 Uhr zur Strecke, um alles noch einmal zu überprüfen. Die Räder werden vor Ort an den Dunlop Reifen-Service übergeben, damit die richtigen Reifen montiert und die Räder ausgewuchtet werden. Wenn die montierten Räder zurückkommen, werden sie in speziellen Zelten auf eine bestimmte Temperatur erwärmt, um sie für den Einsatz auf der Rennstrecke vorzubereiten. Das Fahrwerk wird den Vorlieben des jeweiligen Fahrers entsprechend eingestellt – im Bedarfsfall unter Anleitung der Öhlins Techniker

Der Benzintank wird abgenommen und präzise mit der für den Einsatz notwendigen Menge an Kraftstoff gewogen, um das Gewicht sorgfältig zu optimieren

Anschließend werden die Telemetrie-Daten analysiert, das Feedback des Fahrers wird bewertet, alle Komponenten werden überprüft

Der Tank wird erneut gewogen. Im Bedarfsfall werden Dateiländerungen am Motorrad vorgenommen, und die Räder werden erneut zu Dunlop gebracht, um neue Reifen aufziehen zu lassen

Archie McDonalds zweites Training am Freitag. Danach wird der Fahrer erneut befragt, weitere Anpassungen werden vorgenommen, und die Taktik für die Qualifikation wird besprochen

Ein wenig freundschaftliche Rivalität bewirkt viel – mit Podestplätzen sowohl in COTA als auch in Mugello ist das sicherlich der Fall bei Archie “Mad Dog” McDonald (links) und Eric Granado (rechts), die hier mit einigen Teammitgliedern in Mugello zu sehen sind

Lidia Cerezuela von Joe Rascal Racing sammelt die Daten von den Trainings- und Qualifikationsrunden, um sicherzustellen, dass alle Erkenntnisse von der Strecke vor dem Rennen übertragen werden, um die Abstimmung der Motorräder zu optimieren

Am Samstag gibt es zwei Rennen, in denen die Fahrer Punkte sammeln können. Die Bagger World Cup Rennen finden normalerweise am Samstagmorgen statt. Deshalb kommt samstags das ganze Team wieder um 7:30 Uhr zusammen, damit die Techniker ihre jeweiligen Motorräder erneut überprüfen und die Erkenntnisse vom Freitag anwenden können. Dann kommt das erste Rennen, das vom Team auf Monitoren beobachtet wird
.

James Tonna hat großen Respekt vor dem, was Harley-Davidson mit dem Bagger-Rennsport erreicht hat. “Mit Harley-Davidson zusammenzuarbeiten heißt nicht, dass sie uns fragen, was wir für sie tun können. Zuerst fragen sie uns, wie sie uns helfen können. Es ist ein phänomenales Umfeld, das sie geschaffen haben. Wir verwenden dieses Jahr bereits die sechste Generation von Bagger-Rennmaschinen. Bei jeder neuen Veränderung geht es buchstäblich um Millisekunden. Das ist das Niveau, das diese Motorräder erreicht haben.”
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